Katharina Feldt
Goldener Skarabäus
Mann im Spiegel
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Mann im Spiegel


Alle die auf Mystik, Geheimnisse und Leidenschaft stehen, kommen bei diesem Roman voll auf ihre Kosten.


Der Roman wird in Kurze fertig gestellt.



1. Kapitel


 

Vera, eine moderne, selbstbewusste und willensstarke junge Frau, verstand es selbst nicht, warum sie dem merkwürdigen Zwang, den alten Spiegel zu kaufen, nachgegeben hatte. Wo sie sich doch nicht einmal für Antiquitäten begeistern konnte.

 

Sie bewohnte ein kleines Häuschen am Stadtrand von Lübeck, welches sie von ihrer Tante, zusammen mit einer stattlichen Summe an Barvermögen, geerbt hatte. 

Beruflich konnte sie sich bereits als Immobilienmaklerin profilieren. In der großen Maklerfirma, in der sie arbeitete, leitete sie bereits eine kleine Abteilung. Ihr Spezialgebiet waren die Privatkunden, die sich sowohl für prächtige Villen als auch für kleine Einfamilienhäuser interessierten. Vera liebte ihren Beruf und konnte sich nicht vorstellen, jemals etwas anderes zu machen. Ihre Aufgabe, außer der Leitung der Abteilung, bestand darin, für ihre, in den meisten Fällen, gut situierte Kunden, geeignete Objekte zu finden. Nichts machte ihr mehr Spaß, als die Häuser zu besichtigen, vor allem aber die alten Bauten liebte sie besonders. Sie war der Überzeugung, dass ein altes Haus eine Seele hatte, und jedes Haus verfügte über eine eigene Geschichte, geprägt von Menschen, deren Glück oder Schicksalsschlägen. Darüber versuchte sie auch soviel wie möglich herauszufinden. Nicht nur um ihren eigenen Wissensdurst zu stillen, sondern um ihre Kunden individueller beraten zu können. Sie fand, dass ein Haus zu seinen Bewohnern passen musste und umgekehrt war es genauso. Daher scheute sie sich nicht davor, ihren Kunden von einem Kauf auch abzuraten, wenn sie davon überzeugt war, dass keines der beiden zueinander passten. Sie schaffte es auch im umgekehrten Fall, einen unentschlossenen Kunden für ein Haus so zu begeistern, dass es ihm gar nichts anderes übrig blieb, als es zu kaufen. Mit ihrer gesunden Menschenkenntnis und ihrer fachlichen Kompetenz, gelang es ihr immer wieder für jeden Kunden ein geeignetes Haus zu finden. Wie sich im Nachhinein immer wieder herausstellte, lag sie mit ihren Urteilsvermögen fast immer richtig, was die vielen Danksagungen und Einladungen zur Einweihungsfeier bezeugten. Diese Tatsache sprach sich in gewissen Kreisen schnell herum, sodass es Vera nie an Aufträgen mangelte.

Da sie neben den Besichtigungsterminen mit ihren Kunden, auch noch die Nachforschungen über die Objekte, anstellte, blieb ihr nur sehr wenig Freizeit. Darunter litt natürlich hauptsächlich ihr Privatleben und einige Beziehungen wurden dadurch bereits zerstört, obwohl es ihr nicht an Bewunderern mangelte. Sie war klein und zierlich, hatte kurze braune Locken, eine kecke, leicht nach oben gerichtete kleine Nase und einen Schmollmund. Aber es waren vor allem ihre großen, mandelförmigen, grünen Augen, die am meisten die Menschen faszinierten.  Ihre letzte Beziehung lag bereits ein halbes Jahr zurück. Er hieß Axel und sie verbrachten vier Monate zusammen, bevor die Beziehung in die Brüche ging.


Axel beschwerte sich ständig, dass sie nie Zeit für ihn hatte und ihn oftmals versetzte, wenn sie zum Essen oder ins Kino verabredet waren. Durch die ständigen Vorwürfe und Streitereien hatten beide genug von dieser Beziehung. Er, weil sie ihn ständig versetzte und nie Zeit für ihn hatte und sie, weil er kein Verständnis für ihre Arbeit hatte und sich deswegen dauernd mit ihr stritt.

Vera bedauerte es zwar, dass die Beziehung zu Ende war, tröstete sich jedoch damit, dass Axel nicht der Richtige für sie war. Sie wartete auf den Mann, der ihre Arbeit ernst nimmt, der Verständnis für sie hatte und sie ohne Vorbehalte liebte. Für einen solchen Mann wäre sie sogar bereit, Kompromisse zu schließen, und in ihrem Beruf etwas kürzer zu treten.

Erschöpft, aber zufrieden betrat Vera spät abends ihr Haus. Sie warf ihre Handtasche auf die Kommode, streifte ihre Pumps herunter  und ließ sich aufseufzend auf das Sofa fallen.

Nach einem erfolgreichen Vertragsabschluss, hatte sie zusammen mit ihren Mitarbeitern noch ein wenig gefeiert.

Doch jetzt, nach der überaus anstrengenden Woche, forderte ihr Körper seinen Tribut. Sie war hundemüde, wollte nur noch duschen und schlafen gehen. 

Morgen war zwar Samstag, doch ausschlafen konnte sie trotzdem nicht, da sie bereits für den Vormittag mit ihrer Arbeitskollegin und besten Freundin Anja verabredet war.

Sie ließ sich von ihrer Freundin zu einem Besuch auf dem Flohmarkt überreden. Im Gegensatz zu Vera, stöberte Anja für ihr Leben gerne auf Flohmärkten herum. Immer wieder entdeckte sie in dem ganzen Zeug, aus all den Sachen, die eigentlich niemand mehr wollte oder brauchte, interessante und seltene Stücke. Stücke, die sie dann mit einem, vor Besitzerstolz geschwollenen Brustkorb Vera präsentierte. Ob es sich um alte Möbelstücke, Kerzenleuchter oder Sammeltassen handelte, Anja wurde immer fündig, wobei Vera meist nur mit einigen Büchern den Markt verließ. Für Vera war es schon immer ein Rätsel, wie Anja all das Zeug in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung unterbringen konnte. In Anbetracht der Tatsache, dass sie eigentlich gar nicht nötig hatte, sich mit solchen verstaubten Sachen einzudecken, stieß sie auch bei ihren anderen Freunden nicht gerade auf Verständnis.

Sie arbeitete zusammen mit Vera bei dem renommierten Immobilienmakler. Durch die Provision, die sie beide nach jedem erfolgreichen Vertragsabschluss erhielten,  konnten sie beide sehr gut leben und sich einiges mehr leisten können.

 

Anjas heutiges "Beutefieber" schaffte Vera wieder einmal in Erstaunen, zu versetzen.

Heute war es ein Kerzenleuchter aus Silber und eine alte Spieluhr, die dringend eine Restaurierung benötigte.

"Was willst du eigentlich mit diesem Krempel? Du hast doch bereits mehrere Leuchter?", fragte Vera und deutete missbilligend auf den massiven Leuchter.


"Eben deshalb. Er passt doch gut zu den anderen. Aber das verstehst du nicht. Es ist eben mein Hobby. Jeder Mensch sammelt etwas. Irgendwann, wenn ich alt und grau sein werde, werden diese Sachen einen enormen Wert haben".

"Ach was, das ist doch nur Trödel. Wenn deine Sammelleidenschaft nicht bald nachlässt, solltest dich ernsthaft nach einer größeren Wohnung umschauen", meinte Vera und lächelte, als Anja theatralisch ihre Arme in die Höhe warf.

"Ist ja gut. Ist ja gut. Aber im Ernst, ich habe bereits darüber nachgedacht, mir entweder eine größere Wohnung oder ein kleines Häuschen zu kaufen".

"Da wir so zusagen an der Quelle sitzen, dürfte das wohl kein Problem für dich darstellen", sagte Vera und nahm Anja eine voll gepackte Tüte ab.

"Oh, Vera schau mal. Der Spiegel dort. Der wurde sich doch ganz gut bei dir auf dem Flur machen, findest du nicht?", Anja zeige enthusiastisch auf einen alten Spiegel.

"Nein, danke. So etwas kommt mir nicht ins Haus". Vera warf nur einen kurzen Blick auf den Spiegel und wandte sich ab. Anja zuckte mit den Schultern und folge ihr.

Beinah wäre sie mit Vera zusammengestoßen, die plötzlich ohne jeglicher Vorwarnung und ersichtlichen Grund, stehen blieb. Vera kam es vor, als ob jemand leise ihren Namen rief: "Vera! Bitte geh nicht weg. Vera ... komm zurück".

 - So ein Blödsinn. Das ist nichts weiter, als eine Einbildung, die bestimmt an der Hitze und der Tatsache beruht, dass Anja sie bereits seit Stunden von einem Trödelstand zum nächsten zerrte -, dachte Vera, schüttelte den Kopf über sich selbst und ging weiter.


"Vera?“. Anja sah sie fragend an. Als ihre Freundin keine Reaktion zeigte berührte sie sie leicht auf der Schulter. „Vera, was ist los? Du siehst so merkwürdig aus, als hättest du ein Gespenst gesehen", fragte Anja und schaute besorgt in das verunsicherte Gesicht ihrer Freundin.

"Was? Ach nein, es ist nichts, ich dachte nur ich hätte jemanden meinen Namen rufen gehört. Aber ich habe mich wohl geirrt, oder hast du etwas gehört?", fragend sah sie ihre Freundin an.

"Nein, ich habe nichts gehört".

"Vera, komm zurück". Glaubte Vera wieder das Flüstern zu hören.


Verunsichert schaute sie sich suchend um. Wahrscheinlich wollte ihr jemand einen Streich spielen. "Vera!"   Das Flüstern kam aus der Richtung des Trödelstandes mit dem Spiegel. Vera ging ein paar Schritte in die Richtung zurück, blieb jedoch unentschlossen stehen.

Anja beobachte beunruhigt das eigenartige Verhalten ihre Freundin und folge ihr kopfschüttelnd, als diese zu dem Stand zurückging.

Vera blieb vor dem Stand stehen und schaute sich um.

Die Menschen sowohl hinter dem Stand als auch die, die in den ausgestellten Sachen stöberten, nahmen keine Notiz von ihr und gingen ihrem geschäftigen Treiben nach. 


Sie dachte gerade, dass sie sich doch alles nur eingebildet hatte, als ihr Blick zufällig zu dem Spiegel fiel.  Sie glaube dort einen huschenden Schatten gesehen zu haben und schaute sich um. Aber vor dem Spiegel stand niemand, der sich in dem ohnehin fast blinden Glas hätte spiegeln können. Entweder halluzinierte sie, oder ihre Fantasie spielte ihr einen Streich mit.

"Nimm mich mit, Vera. Kaufe mich".

Konsterniert schaute sie auf den Spiegel, der plötzlich von einem zarten, leuchtenden Schimmer umgeben war.

"Anja, schau dir den Spiegel an. Fällt dir etwas Ungewöhnliches auf?", fragte sie mit leicht zitternder Stimme und schaute gespannt ihre Freundin an.

"Nein, was soll mit auffallen? An dem Spiegel ist nichts Besonderes, abgesehen von dem wirklich sehr kunstvollen Rahmen und dem Spiegelglas, das schon fast blind ist", antwortete Anja.

- Ich bin bestimmt überarbeitet -, schlussfolgerte Vera. Vielleicht sollte sie doch etwas kürzer treten. Sie musste sich selbst eingestehen, dass die letzten Wochen voller Stress waren. Sie hetzte von einem Termin zu anderen, hinzu kommt noch, dass die Objekte meistens ziemlich weit auseinander lagen, sodass sie die meiste Zeit im Auto verbrachte.

 

"Komm Anja, lass uns gehen. Für heute ist es genug. Ich habe Kopfschmerzen und würde mich gerne etwas hinlegen".

"Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Gestern war es ziemlich spät geworden und unser Alkoholkonsum war auch nicht gerade gering. Du siehst ziemlich blass aus. Es ist wirklich besser, wenn du dich eine Weile hinlegst. Soll ich dich nach Hause fahren?", fragte Anja und schaute Vera mitleidig an.

"Das ist lieb von dir, aber das schaffe ich schon noch. Ich melde mich später bei dir. Bis naher Anja". Auf dem Parkplatz, wo sie ihre Autos abgestellt hatten, verabschiedeten sich die Freundinnen voneinander und jede steuerte auf ihren Wagen zu. Als Vera in ihren Wagen einstieg und den Zündschlüssel umdrehen wollte, hörte sie wieder das unheimliche Flüstern:

"Komm zurück Vera. Lass mich nicht hier!"

Wie eine Schlafwandlerin stieg sie wieder aus ihrem Wagen und ging zum Markt zurück. Vor dem Händler blieb sie unschlüssig stehen. Der Spiegel zog magisch immer wieder ihren Blick an. Kopfschüttelnd drehte sie sich um und wollte den Stand verlassen als sie wieder das zarte Schimmern im Spiegel sah. Seufzend kehrte sie und näherte sich dem Spiegel. Vorsichtig berührte sie das Glas und fuhr mit der Hand langsam durch den Rahmen. Plötzlich entschlossen fragte sie den Verkäufer nach dem Preis.


Der genannte Preis erschien ihr angemessen, daher holte sie mechanisch ihre Geldbörse und bezahlte den gewünschten Betrag. Der Spiegel war nicht allzu schwer, dafür aber größer und unhandlicher als sie dachte. Nur mühsam konnte sie ihn zu ihrem Wagen tragen.

Die intensive Wärme, die den Spiegel plötzlich verströmte, zog durch Veras Körper und ließ sie aus ihrer Benommenheit erwachen. Entsetzt hielt sie den Spiegel auf Armeslänge von ihrem Körper weg und starrte ihn verständnislos an. Was geschah da mit ihr? Warum hatte sie das hässliche Ding überhaupt gekauft? Selbst an ihrem Verstand zweifelnd, öffnete sie den Kofferraum ihres Golfes und verstaute darin achtlos den Spiegel.

An ihrem Grundstück angekommen blieb sie vor der Garageneinfahrt stehen und umklammerte fest das Lenkrad. Was ist eigentlich passiert? Warum wollte sie plötzlich den Spiegel haben? Warum faszinierte sie das alte Ding so? Kopf über sich selbst schüttelnd öffnete sie mittels Fernbedienung das Garagentor und fuhr hinein. Langsam und ungelenkig, als ob mit der plötzlichen Zunahme ihres Inventars auch eine Zunahme ihres Alters stattgefunden hätte, stieg sie aus dem Wagen. Sie nahm den Spiegel aus dem Kofferraum und stellte ihn auf dem Fußboden in ihrem Flur ab. Danach betrat sie die Küche, holte eine Kopfschmerztablette aus dem Medizinschrank und begab sich nach oben, wo sich das Schlafzimmer befand.

 

 

Auf Wunsch kann ich gerne ein Expose oder eine weitere Leseprobe beider Romane per Mail zusenden.

 

 

 

 


 

 

 

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