Katharina Feldt
Goldener Skarabäus
Mann im Spiegel
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Goldener Skarabäus

 

Ein Roman voller Gefahren, Geheimnisse und Leidenschaft.

 

 

 

Prolog

 

Die junge Frau, die auf dem kalten Altar lag, hörte wie in weiter Ferne dumpfe Stimmen und Gesangsgeräusche. Langsam erwachte sie aus ihrem tiefen Schlaf und versuchte vorsichtig ihre Augen zu öffnen. Ihre kohlengeschwärzte Augenlider waren jedoch schwer wie Blei und so schloss sie ihre Augen wieder. Sie versuchte ihre Arme, in denen sie ein Taubheitsgefühl verspürte zu bewegen. Zwecklos. Schlagartig wurde sie hellwach und versuchte sich aufzusetzen. Auch dies gelang ihr nicht. Voller Entsetzen hob sie langsam den Kopf. In dem schummerigen Schein der Fackeln, konnte sie erkennen, dass ihre Arme links und rechts von ihrem Körper durch goldene Schlingen fest gebunden waren. Auch ihre Füße waren gefesselt. Ihr nackter Oberkörper war ebenfalls am Tisch mit einem goldenen Gürtel fixiert. Tisch? Nein es war kein Tisch, sie lag auf einem Altar. – Oh Amum hilf mir – betete die Frau, als sie bemerkte woher diese Stimmen kamen. Sie versuchte angestrengt irgendetwas zu erkennen. Sie war nicht alleine in dem Raum. Eigenartig vermummte Gestalten standen im Kreis um den Altar herum und leise singend führten sie einen tranceähnlichen Tanz auf. Es schien sich um eine Art Zeremonie zu handeln, an der Menschen einem Gott geopfert werden sollten.

Plötzlich kam ihr die Erinnerung wieder. Sie wurde von einem Fest im Hause ihrer Eltern entführt. Man hat über ihrem festlichen Gewand ein Leinentuch übergeworfen und sie geknebelt. Sie erinnerte sich, wie von zwei Gestalten durch dunkle Gänge oder Tunnel geführt wurde bis sie einen Pfad erreichten, der zwischen den Felsen zu verschwinden schien. Zu beiden Seiten des Pfades ragten Felsen empor. Der Weg wurde steinig, die junge Frau stolperte und verlor das Gleichgewicht. Doch ihre Entführer ließen nicht zu, dass sie fiel und hielten sie an den Armen fest. Dann bogen sie nach rechts ab. Vor ihnen öffnete sich ein kleines Tal. Rings um brannten Fackeln an den Felswänden, so dass sie die weißen Kalksteinwände eines Tempels erkennen konnte. Es war ein Ort völliger Stille.

 

Der Totentempel von Osiris-Mentuhotep – schoss es ihr durch den Kopf. Voller Entsetzen, erkannte die junge Frau was ihr bevorstand und versuchte sich aus der Umklammerung zu befreien. Diese vergebliche Aktion bewirkte nur, dass sie nur noch fester gehalten wurde. Der weitere Weg führte durch dunkle, enge Tempelgänge. Dann betraten sie einen Raum der im Gegensatz zu den Gängen mit Licht durchflutet war. Der Griff um ihre Arme wurde gelockert und sie wurde zum Boden gestoßen. Sie lag, die Wange auf dem Boden gepresst und schloss die Augen.

 

Als sie spürte wie ihre Kraft langsam zurückkehrte, hob sie ihren Kopf. Sie sah den Hohepriester, der vor ihr stand und schaute ihn flehend an. Nur mit einem Pektoral und Leopardenfell, dessen Kopf die leblosen Zähne zu einem listigen Lächeln entblößte, bekleidet, reichte ihr der kahlköpfige Priester einen goldenen Kelch und befahl ihr den Inhalt auszutrinken. Gehorsam trank sie einige Schlucke von der leicht bitter schmeckenden Flüssigkeit. Benommen versuchte sie Halt zu finden. Bevor ihre Erinnerung verblasste, merkte sie noch, dass sie zum Boden sank.

Panisch schaute sie sich um. Aus der Dunkelheit ertönten die rasselnden Klänge des Sistrums und die Gestalt des Priesters erschien in dem plötzlich durch den Weihrauch erfüllten Raum. Die Luft geschwängert durch den schwereren Geruch brannte ihr in den Augen. Langsam näherte sich der Priester dem Altar zu, senkte seinen Kopf über sie und schaute sie aus seinen mit kohleumrandeten Augen prüfend an. Dann setzte er ihr wieder einen Kelch an ihre Lippen.

„Trink das, denn du bist die Auserwählte“, sagte er leise und goss ihr die Flüssigkeit Schluck für Schluck in den Mund. Diesmal wurde sie nicht besinnungslos. Aber ein Schleier trat vor ihre Augen, so dass sie alles um sich herum wie durch einen Nebel wahrnehmen konnte. Erschöpft ergab sie sich gleichgültig ihrem Schicksal und legte gehorsam ihren Kopf auf den Altar.


Ihr langes, schwarzes Haar ergoss sich über den Altar wie eine dunkle Wolke. Doch die dröhnende Stimme des Priesters, der die Gebete sprach, brachte sie wieder zu Besinnung. Sie spürte wie ihr Herz kalt wurde. Sie wollte nicht Sterben. Auch für die verehrte und geliebte Göttin nicht. Ihre Handflächen wurden feucht und ein kalter Schauer lief ihr den Rücken runter. Plötzlich schoss ein erneuter Lebenswille durch ihren Körper und sie bäumte sich auf. „Nein, die Zeremonie darf nicht vollzogen werden. Die Opferung muss freiwillig geschehen und nicht durch Zwang. Es widersprach dem Gesetz der Maat“, versuchte sie einzuwenden.

„Schweig. Dies ist der Wille der Unvergleichlichen Isis und du muss dich fügen“.

Der Gesang wurde lauter.

„Oh Isis, Du Göttliche. Oh Isis, Du Einzigartige, erhöre uns, die Dich bei der Suche nach Deinem Gemahl, dem Großartigen Osiris begleiten wollen“.

„Oh Isis, Du Göttliche wir rufen Dich und betten zu Dir“

„Oh Isis Du Auserwählte, erlaube uns Unwürdigen Dir zu helfen das Jenseits mit dem Diesseits zu verbinden“.

Die junge Frau versuchte ihre Handgelenke aus den Schlingen zu befreien und zerrte verzweifelt daran.

„Nein, es ist verboten. Das darfst du nicht. Wie soll den mein Ka durch die zwölf Pforten der Duat reisen, wenn die Opferungszeremonie an Unwilligen vollzogen wird?“. Versuchte sie um ihr Leben zu feilschen.

„Schweig still, dein unwürdiges Ka ist ohne Bedeutung wenn es um die Göttliche Isis geht. Nur sie zählt“.

 

Das Rasseln des Sistrums und das Singsang des Gebets wurden jetzt noch lauter. Der tranceähnliche Tanz der in die Kaputzenumhänge gehüllten Gestalten wurde noch intensiver. Die Zeremonie scheint beinahe ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Jetzt kam wieder der Priester auf die junge Frau zu. Die Muskeln an seinen mit goldenen Armreifen geschmückten Oberarmen spannten sich merklich, als er mit beiden Händen den Dolch mit der gekrümmten Schneide über sie hielt.

„Oh Isis, Du bist die Eine, die Alle in sich vereint. Du bist die Erste und die Letzte“

„Oh Isis, Du bist die, die ERDE vom HIMMEL trennt“

„Du Göttliche Isis wir rufen Dich. Komm und nimm das Opfer an. Komm und füge die in tausend Stücke zerrissene Teile Deines Gemahls zusammen“

„Wir werden mit Dir das entweihte Grab Deines Gemahls rächen. Erscheine oh Du Unvergleichliche und zeige uns Dein Wohlwollen“

Der Zeremoniedolch kam der Brust der jungen Frau immer näher. Vor Entsetzen schien sie ohnmächtig zu werden. Der Priester jedoch rüttelte sie gnadenlos an der Schulter.

„Nein, du musst wach bleiben. Du darfst nicht Schlafen. Du musst Isis in ihres Göttliches Angesicht sehen, wenn die Zeremonie vollzogen wird“.

Er legte den Dolch weg und setzte wieder den Kelch an die Lippen der jungen Frau an.

„Trink es aus und es wird leichter für dich. Los, trink jetzt“.

 

Der Priester hatte Recht. Bereits wenige Augenblicke später überkam sie ein Gefühl der Leichtigkeit. So als ob ihrer Körper schwerelos wäre. Ein schönes Gefühl der beinahe schon an Euphorie grenzte. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. Zufrieden nickte der Priester und hob wieder den Dolch über ihre Brust.

„Oh Isis, Du Einzigartige“.

„Oh Isis, Du Göttliche“, stimmten wieder die Anhänger des Totenkultes in ihr Gesang ein.

Plötzlich begann das Feuer der Fackeln zu flackern. Das ohnehin spärliche Licht drohte vollständig zu erloschen, als plötzlich eine liebliche Stimme aus weiter Ferne rief:

„Ich bin Isis, warum ruft ihr mich aus der Unterwelt hervor? Warum stört ihr mich bei der Suche nach den verstreuten Körperteilen meines Gemahls?“, fragte die körperlose Stimme.

„Oh Isis, Du Unsterbliche, möge Dein Papyrusboot Deine Reise in der Unterwelt unterbrechen und Dich zu uns führen. Oh Isis, wir die Unwürdigen rufen Dich“.

"Oh Isis, komm zu uns, wir bitten Dich“.

 

Nichts geschah. Doch dann plötzlich schwebte durch die dicken Nebelschwaden eine Gesichtlose ätherische Gestalt auf den Altar zu.


Nur sehr langsam lichtete sich der Nebel und Isis in all ihrer Pracht kam zum Vorschein. Gehüllt in einem fließenden Umhang mit dem Kuhgehörn und der Sonnenscheibe als Kopfschmuck, hielt sie den Ankh fest in ihrer Hand umklammert.

 

 „Ja, die Zeremonie kann nun vollzogen werden. Gebt mir das Herz der Auserwählten, damit ich meinem geliebten Gemahl Osiris zur Unsterblichkeit verhelfen kann“, sagte Isis schloss die Augen und hob das Ankh, das Henkelkreuz, das Symbol des Lebens und dem Lebensatem, hoch.

„Neeeein“, schrie die junge Frau, die plötzlich aus ihrer Lethargie erwacht war. Verzweifelt zerrte sie an ihren Fesseln.

Isis schwebte auf die Frau zu und lächelte sie lieblich an.

„Hab keine Angst. Du bist Unschuldig, damit hast du nichts zu befürchten. Dein Ka wird ungeschoren durch die Pforten ins Jenseits eintreten können. Du bist die Auserwählte. Deine Opferung ist eine Ehre für dich. Durch dein Opfer wird mein göttlicher Gemahl wieder auferstehen können“, sagte Isis sanft.

„Nein, ich will das nicht. Lasst mich am Leben. Das verstößt gegen das Gesetz der Maat. Ihr werden auf Ewigkeit verdammt werden“, schrie die Frau in Todesangst.

 

Ungeachtet ihrer Schreie rammte der Priester mit einer ungeahnten Kraft den Dolch in die Brust der wunderschönen, jungen Frau und schnitt mit gekonntem Griff das Herz heraus. Laut singend hielt er das noch pochende, blutige Herz wie eine Trophäe hoch.

Isis nickte zustimmend, näherte sich dem Hohepriester und hielt ihm ein goldenes Gefäß für das Herz hin. Dann hob sie das Ankh hoch und fiel in den Gesang mit ein.

 


 

 

 

 

 

 

 

Auf Wunsch kann ich gerne ein Exposé oder eine weitere Leseproben des Romans per Mail zusenden.

 

 

 

 

 

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